Ein an allen seinen Komponenten
korrekt eingestelltes Zündsystem stellt eine Grundvoraussetzung
für den ruhigen Lauf eines Kfz-Motors, für vertretbaren Kraftstoffverbrauch, und für
allgemein gute
Fahreigenschaften dar, und trägt nicht unerheblich zur Vermeidung von Umweltverschmutzung
bei!
Werkzeug, Hilfsmittel, Teile
Anleitung
Vorbemerkungen:
1. Bei Fzg mit Unterbrecher sollte unmittelbar vor der Zündzeitpunkt- bzw.
Zündwinkel-Einstellung
bei einem Fahrzeug mit einer konventionellen Spulen-Zündung mit
Unterbrecher(kontakten) eine
sorgfältige Prüfung und genaue Einstellung
des Schließwinkels und Unterbrecherkontaktabstands
stattfinden. Man bedenke, dass eine
Unterbrecherkontaktabstand-Änderung um 0,1 mm gleich-
zeitig einer Zündzeitpunkt-Veränderung von umgerechnet rd. 3°
entspricht.
Hier haben wir ausserdem die Standard-Zünd(reihen)folge einiger Motoren
für Sie aufgelistet.
2. Der - wie unten dargestellt - einstellbare statische Zündzeitpunkt laut
Fzg-Betriebsanleitung
wird bei stehendem Motor z.B. mit einer
Prüflampe eingestellt. Statisch bedeutet: mit fix einge-
stellter Früh-/Vorzündung (liegt vor OT, Begriff und Winkel
siehe unten); im Gegensatz zum
dynamischen Zündzeitpunkt mit automatischer
Zündzeitpunktverstellung (liegt bei hoher Drehzahl
und Vollast zwischen 30 und 46° vor OT) und der bei laufendem Motor
z.B. mit einer Stroboskop-
lampe/Zündzeitpunktpistole einstellbar ist.
3. Begriffe und Werte:
a) |
Der Zünd z e i t punkt wird immer
- auf OT (Hubkolben-Stellung an seinem oberen
Umkehrpunkt = obererer Totpunkt) bezogen und
- in Winkelgraden einer K u r b e l wellenumdre-
hung (normal im Uhrzeigersinn) angegeben |

|
|
- v o r OT als F r ü h
zündung bezeichnet
- n a c h OT S p ä t zündung genannt |
b)
|
Der Zünd w i n k e l liegt zwischen
- Zündzeitpunkt und OT/oberem Totpunkt |
c) Der Zünd a b s t a n d wird dagegen
- in Winkelgraden einer V e r t e i l e r
wellenumdrehung angegeben und beträgt normalerweise
- beim 4-Takter = 720° / Zylinderzahl [bis 16
Zylinder], z.B. beim 4-Zylinder-Motor = 180°
- beim 2-Takter = 360° / Zylinderzahl [bis
4 Zylinder], z.B. beim 4-Zylinder-Motor = 90°
(V10-Zylindermotoren der Formel 1 und
Zweizylinder-Reihenmotoren im Motorradbereich mit
"Zweitakt"-Kurbelwelle (KTM) haben
allerdings mehr oder minder ungleiche Zündwinkel!)
bzw. setzt sich aus Schließwinkel
(Unterbrecherkontakt geschlossen) + Öffnungswinkel zusammen:
|
Dieser S c h l i e ß winkel
liegt normalerweise am |

|
Der dazugehörige
Öffnungswinkel
beträgt üblicherweise beim |
| 4-Takt-Motor
|
2-Takt-Motor
|
|
4-Zylinder-Motor bei ca. 50°
5-Zylinder-Motor bei ca. 45°
6-Zylinder-Motor bei ca. 38°
8-Zylinder-Motor bei ca. 33° |
(180°-50° =) 130°
(180°-45° =) 135°
(180°-38° =) 142°
(180°-33° =) 147° |
(90°-50° =) 40°
(90°-45° =) 45°
(90°-38° =) 52°
(90°-33° =) 57° |
Man bedenke auch hier
wiederum die Auswirkung einer u.U. sogar nur kleinen Schließwinkel-
änderung auf den Unterbrecherkontaktabstand
bzw. den Zusammenhang mit einer damit gleich-
zeitig einhergehenden
Zündzeitpunkt-Veränderung.
d) Die genaue S c h l i e ß zeit errechnet sich aus
Schließzeit[msec/Millisekunden] =
(Schließwinkel[°]*1000) / (Verteilerdrehzahl[U/min]*(3*4/Takte)),
wobei die Verteilerdrehzahl [U/min] = Motor-
bzw. Kurbelwellendrehzahl / Übersetzung ergibt.
Das Übersetzungsverhältnis der Kurbelwelle
zur Verteilerwelle lautet
beim 4Takt-Motor 2:1 (Übersetzung = 2) und
beim 2Takt-Motor 1:1 (Übersetzung = 1).
e) Für Dieselmotoren gilt allgemein:
|
Einlassventil öffnet (Eö) bei 0-25° vor OT |
Einlassventil schließt (Es) bei 30-70° nach UT |
|
Auslassventil öffnet (Aö) bei 50-40° vor OT |
Auslassventil schließt (As) bei 5-30° nach UT |
Zündwinkel bzw. Steuerzeiten einstellen:
Durchführung bei Spulen-Unterbrecher-Zündung
a) mit Prüflampe (oder Summer oder
Multi-/Voltmeter) Notlösung: Als Prüflampenersatz tut
es auch ein Scheinwerferbirnchen, bei dem wenigstens noch
ein Glühfaden i.O. ist, und an
das man zwei dünne Anschlussdrähte - vorteilhaft mit
kleiner Klemme - entsprechend anlö-
tet. Meistens reagieren solche Ersatzlampen sogar
schneller als träge Billig-Prüflämpchen. |
 |
1. Verteilerkappe
abnehmen
2. Zündung einschalten, aber nicht starten.
3. Prüflampe einerseits an Klemme 1 der Zündspule und andererseits an
Masse anschließen.
4. a) Entweder die Kurbelwelle so weit drehen bzw. Fzg langsam
so weit schieben, dass die Mar-
kierung an der
Keilriemenscheibe mit der (Trennfuge) am Gehäuse übereinstimmt. Gleich-
zeitig muss jetzt
der Verteilerläufer/-finger genau auf die Markierung des 1. Zylinders am
Rand des
Verteilergehäuses zeigen.
b) Oder über die Zündkerzenbohrung
des 1. Zylinders z.B. mit langem dünnen Schraubenzieher
oder Stab die
OT-Stellung bestimmen und herstellen! Dabei müssen sich zugleich die Nocken-
wellen-Nocken des
4. Zylinders auf Überschneidung befinden, d.h. Auslassventil (vor Schließ-
ende) und
Einlassventil (bei Öffnungsbeginn) sollen hierbei gleichzeitig - je nach Nockenwelle
1-5 mm -
geöffnet sein. Und der Verteilerfinger muss auf Zündkontakt des 1. Zylinders zeigen.
Auf
behelfsmäßigem Messstab die OT-Stellung markieren (eigentlich ein paar mm davor), wo-
rauf sich mit
dieser Markierung der OT der anderen Zylinder ganz leicht finden/einstellen lässt.
Genau bei Erreichen der Übereinstimmungen,
d.h. kurz vor OT sollte die Prüflampe aufleuchten.
5. Leuchtet die - sonst funktionierende! - Prüflampe hierbei nicht,
a) ist die Klemmschraube des Verteilers zu
öffnen und
b) der ganze Verteiler langsam solange im
Uhrzeigersinn - also nach rechts - zu drehen, bis
die
Unterbrecherkontakte ganz zusammen/geschlossen sind. Daraufhin den Verteiler wie-
der soweit im
entgegengesetzten Uhrzeigersinn - also nach links - zurückdrehen, bis sich
die
Unterbrecherkontakte gerade wieder zu öffnen und zugleich die Prüflampe zu leuchten
beginnen.
c) In dieser Verteilerstellung die
Klemmschraube sofort wieder festziehen.
6. Zur Überprüfung noch einmal von vorne durchführen und ggf.
korrigieren.
7. Wenn dann insofern alles in Ordnung ist, Zündung ausschalten
und die Verteilerkappe wieder
aufsetzen und befestigen.
|
b) mit Gradscheibe (auch Winkelmesser,
Gradmesser, Engine Timer, o.Ä. genannt)
Damit kann man den OT/Oberen
Totpunkt am besten, weil sehr ge-
nau und (fehlerfrei!) ermitteln und
einstellen!
1. a) Durch Drehen der Kurbelwelle
den Kolben des 1.
Zylynders an-
nähernd auf OT
stellen, die Grad-
scheibe (falls
noch nicht gesche-
hen, erst genau
in der Mitte ein
Loch in der
Größe des Kurbel-
wellenzapfens
bohren) auf den
Kurbelwellenzapfen stecken und
mit einem Draht
(z.B. große Büro-
klammer) den
Zeiger anfertigen
und so am
Gehäuse befestigen,
dass er in die
Skala der Grad-
scheibe zeigt.
b) Eine Kolbenhub-Messuhr oder
einen
behelfsmäßigen Maßstab
in die
Zündkerzenöffnung des 1.
Zylinders stecken
und sichern,
danach durch Vor-
und Rück-
wärtsdrehen der
Kurbelwelle
den OT bestimmen
(Wert an
Messuhr bzw.
Maßstab ablesen)
c) Jetzt die Gradcheibe so drehen,
dass der Zeiger
genau auf OT
(= 0°) weist,
und vor unbeabsich-
tigtem Verdrehen
schützen. |
Diese
erweiterte Gradscheibe in Originalgröße kann ein-
fach so ausgedruckt (der Drucker sollte wegen der feinen
Striche mindestens 440 dpi ausgeben) und auf eine aus-
gediente CD, Blech- oder Pappscheibe geklebt werden:

Achtung: Das Mittelloch einer CD ist meistens größer als
der Durchmesser des Kurbelwellenzapfens. Deshalb das
Loch erst an Ort und Stelle genau passend ausschneiden
und eventuell zusätzlich mit Pappe ein wenig verstärken. |
|
2. a) Kurbelwelle eine
Vierteldrehung rückwärts (nach links gegen Uhrzeigersinn) und dann wieder
soweit nach
rechts (im Uhrzeigersinn) drehen, bis der Kolben wenige Millimeter vor OT steht.
Den auf der
Gradscheibe angezeigten Wert markieren/notieren.
b) Nun die Kurbelwelle genau andersherum, also
erst 90° vorwärts (nach rechts) und dann wieder
soweit
rückwärts (nach links) - wegen des (wenngleich geringen) Kurbelwellenspiels - drehen,
bis der Kolben
wieder kurz vor OT steht. Neuen Wert auf der Gradscheibe ablesen/notieren.
c) Der tatsächliche und korrekte OT
liegt dann genau in der Mitte zwischen den bisher gefunde-
nen/gemerkten
Werten. Diesen neuen (Mittel-)Wert auf der Gadscheibe nun auffallend z.B. mit
OT und/oder
Pfeil markieren und die Kurbelwelle nochmals so drehen, dass sich der Kolben
des 1. Zylinders
aus der Aufwärtsbewegung (anderenfalls nochmal weit und zurück und wieder
vor) dem OT
nähert, und jetzt aber so einstellen, dass der Gradscheibenzeiger genau auf den
eben markierten
OT zeigt.
Messuhr bzw.
Maßstab werden dazu nicht mehr gebraucht; jedoch ist es vieleicht ratsam, den
ermittelten
wirklichen OT für den Fall der Wiederververwendung dieser Gerätschaften dort
ebenfalls gut zu
markieren. Wir empfehlen aber, auch zur OT-Einstellung der übrigen Zylinder
gleich die
Gradscheibe mit dem ohnehin bereits genauen Wert einzustellen!
3. a) Jetzt werden die Werte der auf diesen Motor zutreffenden
Schließ- und Öffnungswinkel benö-
tigt, die man aus
der Betriebsanleitung oder einem Fachbuch/Handbuch oder evtl. aus dem
Internet bekommt
(Selbstverständlich kann/sollte man auch in der Fachwerkstatt fragen.)
b) Zuerst ist noch der
Unterbrecherkontakt-Abstand genau einzustellen. Um auch den korrekten
Schließ-
bzw. Öffnungswinkel richtig einzustellen, dreht man jetzt die Kurbelwelle mit der im-
mer noch
befestigten Gradscheibe eine wieder zurück und überprüft, wann der Unterbrecher
zu öffnen
anfängt. Diesen Wert merken für den Fall, dass etwas schiefgeht und der ursprüng-
liche Zustand
wiederhergestellt werden soll. Ansonsten kann man nun die Zünd-/ Unterbrecher-
Grundplatte
langsam so lange verschieben/drehen, bis der vorgeschriebene Wert erreicht ist;
und sofort so
fixieren! Wir empfehlen, das Ganze durch Wiederholen nochmal (evtl. sogar
mehrfach) zu
überprüfen und ggf. weiter/genauer nachzustellen. |
c) mit Zündzeitpunktpistole (Stroboskoplampe)
1. In diesem Fall erfolgt die Einstellung des Zündzeitpunktes bei
warmgelau-
fenen Motor und vollständig geöffneter
Vergaser-Luftklappe. Während der
Messung und Einstellung sollte der Motor mit
Original-Leerlaufdrehzahl
(entspricht meistens ca. 850 ±50 U/min)
laufen.
Wenn nicht, muss zunächst die Leerlaufdrehzahl
richtig eingestellt werden.
2. Unserer Erfahrung nach und im Zweifel ist dazu ausserdem der Unter-
druckschlauch von der Unterdruckdose
abzuziehen. |
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3. Die Spezialleitung der
Zündlichtpistole mit Zündkerze/Zündleitung des 1.
Zylinders verbinden, die andere(n) Leitung(en)
an der Batterie anschließen.
Der korrekte Zündzeitpunkt ergibt sich aus der
Fzg-Betriebsanleitung oder
besser einem Werkstatthandbuch. Für
verschiedene Typen und Modelle
gibt es auch im Internet diverse Tabellen mit
Werten zu Zündzeitpunkein-
stellung und weiteren Angaben.
Entsprechend der dortigen Ausführungen
jetzt mit der Stroboskoplampe die Markierung
auf der Keilriemenscheibe
"anblitzen". Diese Markierung sollte
- durch das Stroboskop betrachtet -
mit der (Trennfuge) des Motorblocks genau
übereinstimmen. |

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4. Ist das nicht der
Fall, Verteiler wie beim Einstellen mit Prüflampe beschrieben ausrichten, bis
eine Übereinstimmung der Markierungen erreicht
ist. (Für mehr Spätzündung im Uhrzeigersinn
drehen, für mehr Frühzündung aber entgegen
Uhrzeigerlaufrichtung.) Danach den Verteiler wie-
der festschrauben und - wie oben - noch einmal
überprüfen und ggf. korrigieren.
5. Unterdruckschlauch, falls abgenommen, wieder an der Unterdruckdose
aufstecken.
6. Zündung ausschalten. |
Durchführung bei Transistorzündung ohne Katalysator
a) Die nebenan als Beispiel abgebildete
unterbrecherkontaktlose Transi-
stor-Zündanlage besitzt zwei Anzeigen, wovon die eine zum exakten
Einstellen des Zündpunktes dient und die andere den allgemeinen
Be-
triebszustand anzeigt. (Eine weitere Eigenschaft dieses
Zündmodules
ist das automatische Abschalten des Stromflusses zur Zündspule
nach
ca. 5 Sekunden, was deren Überhitzung/Zerstörung verhinder.) |

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b) Ist keine solche Anzeige- und
Einstellmöglichkeit vorhanden, kann der Zündzeitpunkt ohne Mess-
gerät zur Not nach mehreren Testfahrten im Teillastbereich
(z.B. im 3. Gang bei niedrigen Dreh-
zahlen an Steigungen) nach und nach insgesamt soweit auf früh
(vor-)verstellt werden, bis der Mo-
tor gerade zu "klingeln" beginnt. Gleich danach wird aber
wieder vorsichtig soweit zurückgestellt,
dass der Motor gerade noch n i c h t "klingelt".
Das ist dann die alleroberste Grenze für die Vor-
bzw. Früh-Verstellung des Zündzeitpunktes für genau dieses Kfz! |
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